Ueli Hausmann

Rede


Anlässlich der Frühlings-austellung Huttwiler Kunst- tage und Ostereiermarkt

vom: 4.-6. April 2014,

richtete Ueli Hausmann, bei der Eröffnung, folgene Worte an die AusstellerInnen


Liebe Frauen und Mannen


Kunst ist, wenn man es nicht kann, denn wenn man es kann ist es keine Kunst. Dieser Satz ist nicht von mir, sondern ein Zitat vom
österreichischen Dramatiker und Satiriker Johann Nepomuk Nestroy. Ich bin zufällig auf diesen Geistesblitz gestossen und er hat mich berührt und lässt mich irgendwie nicht mehr los. Ist das jetzt Satire, oder steckt ein Korn Wahrheit darin? Ich glaube beides trifft zu.
Wer selbst künstlerisch tätig ist, kennt das Gefühl, wenn man es nicht kann. Wenn man ansteht und nicht weiter weiss, irgendwie blockiert ist. Ich bin überzeugt, es braucht diese Zweifel, damit eine gute Arbeit entsteht. Nur so ist man gezwungen, sich zu hinterfragen, sich nicht mit dem ersten Entwurf zufrieden zu geben. Selbstkritik zu üben, zu verwerfen und neu zu beginnen. Ringen und kämpfen für die gute Form.

Denn wenn man das Gefühl hat, man sei ein Könner, der grosse Kün- stler kommt es nicht gut. Die Arbeiten werden zur Routine, irgendwie lieblos, seelenlos und blutleer. Kunst ist eine Ausdrucks- form für Gefühle und Gedanken, die den Menschen bewegen. Trotz Computer, Handy und iPhon, das heute schon fast jeder Kindergärtner benützt, ist uns Menschen das Bedürfnis und das innere Verlangen nach kreativer Ausdrucksmöglichkeit bis zum heutigen Tag angeboren. Das ist auch gut so.
Es freut mich, dass es so viele Menschen gibt, die sich in einer enormen Vielfalt künstlerisch betätigen. Es ist sicher schmeichel- haft, wenn man Künstler genannt wird. Ich habe aber damit etwas Mühe. Für mich tönt dies etwas abgehoben und elitär.

Ich rede lieber vom Handwerk oder Kunsthandwerk. Denn ohne Hände kann man weder zeichnen, malen, töpfern oder ein schönes Osterei gestalten. Unsere Hände sind das genialste und wichtigste Werkzeug um unseren Ideen und Gedanken Form und Inhalt zu geben. Geschickte Hände nützen aber nichts, wenn man keine Ideen hat. Viel Ideen und Phantasie helfen wenig, wenn man 2 linke Hände hat. Damit ein aussagekräftiges Werk entsteht braucht es also beides. Sozusagen Leib und Seele. Daher kennen wir den Ausdruck „er oder sie ist mit Leib und Seele dabei“ Mit Leib und Seele Kunsthandwerker. Wer also künstlerisch tätig ist, gibt immer ein Stück seines Inneren, seinem Seelenleben preis. Nur so entstehen Arbeiten mit einer
Aussage, einem Inhalt und werden dadurch einzigartig. Sie erfüllen damit ihren wahren Sinn und Zweck, nämlich den Betrachter zu erfreuen und zu berühren. Wer seine Werke ausstellt exponiert sich, und muss sich der Kritik stellen. Im Innersten weiss der Kunsthandwerker selbst schon ob eine Arbeit gelungen ist, und stellt nur Objekte aus, zu denen er stehen kann. Trotzdem ist man gespannt und hofft natürlich auf Anerkennung oder sogar Lob.
Aber auch aufbauende Kritik hilft einem weiter. Es entstehen oft gute Gespräche und man entdeckt manchmal im Gegenüber sogar eine Seelenverwandtschaft. Die Anerkennung durch die Besucher einer gelungenen Ausstellung sind Lohn und Applaus für den Kunst-handwerker. Sie geben ihm eine tiefe innere Zufriedenheit und Glücksgefühle und damit Kraft und Ansporn für neue Taten.

Ich habe meine Gedanken mit einem Zitat begonnen. Ich möchte Sie auch mit einem Zitat beenden. Der berühmte spanische Maler Pablo Picasso hat folgendes gesagt. Jedes Kind ist ein Künstler, Kunst ist, es als Erwachsener zu bleiben. Ich wünsche uns allen, jetzt da die Natur wieder erwacht, dass es uns gelingt, tief in unserem Herzen ein Stück unbeschwertes Kind zu bleiben. Dann sind wir alle ein wenig Künstler, ja sogar Lebenskünstler!


Ausstellungsraum der Huttwiler Kunsttage 2014, mit Anne-Catherine Schärer, Goldschmiedin
Ausstellungsraum der Huttwiler Kunsttage 2014, mit Anne-Catherine Schärer, Goldschmiedin